Oma’s Kirschbunkl


Bunkl, der; <österr.>: im Ofen gegartes Auflaufgericht mit saisonalem Obst (vorzugsweise Kirschen oder Schwarzbeeren)
Region: Innviertel,Raum Obernberg

Rammerl, das, (auch: Rahmerl); <innviertlerisch>: knuspriger Rand, Kruste; entsteht beim Backen, gilt gemeinhin als der beste Teil der Süßspeise


 

Meine Innviertler Oma ist ein unfassbar geduldiger Mensch. Das ist zwar Etwas, das ich nicht erst seit gestern weiß, aber trotzdem erstaunt es mich noch immer. Wie ich jetzt auf so etwas komme? Ganz einfach.
Foodblogger sind, wenn es ums Essen vorbereiten/zubereiten/anrichten/ablichten geht, verdammt anstrengend. Und mit Foodblogger meine ich in dem Fall mich. Ich bin verdammt anstrengend. Freunde, Bekannte, Verwandte würden dem mit energischem Nicken zustimmen. Meiner Mutter würde energischen Nicken nicht reichen, sie würde wahrscheinlich irgendwas in die Richtung „Eine Erkenntnis! Es geschehen noch Zeichen und Wunder!“ durch die Gegend rufen.
Meine Oma hingegen ist die personifizierte Geduld. Niemand ist bisher auch nur ansatzweise so ruhig geblieben, wenn er mit mir in einer Küche gestanden hat. Zur Veranschaulichung hierzu wiedermal ein Auszug aus einem Telefonat mit dem Muttertier:

Mutter: „Wo bist du bitte?!“
Märchen: „Auf dem Weg zur Oma“
Mutter: „Und was treibst du dort?!“
Märchen: „Kirschbunkl für den Blog machen.“
Mutter: „Weiß die Oma was da auf sie zukommt?“
Märchen: „Ja sicher, sie hat gesagt sie freut sich!“
Mutter: “ Die Frau verdient einen Orden.“

Und das stimmt. Einen Mehlspeisen-Orden. Und deshalb werde ich euch in eines ihrer Geheimrezepte einweihen, denn wie schon damals bei Oma’s Krusperlgeheimnis lautet die Devise: Den einzig wahren Kirschbunkl gibt’s nur bei ihr im Innviertel. (gilt übrigens auch für Apfelschlankerl, Grammlknödl, etc.)

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Omas Tipps

  • Ein Bunkl kann mit fast jeder heimischen Obstsorte gemacht werden: Kirschen, Zwetschgen, Ribisel, Schwarzbeeren, Äpfel, Birnen oder auch Marillen.
  • am Besten gelingt der Bunkl in einem Reindl oder einer Auflaufform
  • das Rammerl wird am knusprigsten, wenn der Teig nicht zu hoch im Reindl steht und die Butter vorher direkt darin geschmolzen wird
  • der Teig sollte relativ dünn sein, fast schon wie ein Palatschinkenteig. Ist er zu dickflüssig, hat man quasi eine Backteig und der Bunkl wird zu fest und vor allem schwer.
  •  beim Bestreuen unbedingt Kristallzucker verwenden! Und ja nicht mit dem Zucker geizen, da ist die Oma ganz streng!
  •  den Bunkel zuckern solange er noch heiß ist, so karamellisiert er an der Oberfläche ganz leicht und das gibt ihm noch mehr Geschmack

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Kirschbunkl

50g Butter
300g Kirschen
250g Mehl
eine Prise Salz
250 ml Milch
1 Ei
ung. 3 EL Kristallzucker (zum Bestreuen)

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Die Butter ins Reindl geben und im Ofen schmelzen lassen, während aufheizt. Die Kirschen waschen und entkernen- beiseite stellen.
Nun in einer  Schüssel Mehl und Salz vermengen. In einer weiteren Schüssel das Ei mit der Milch verquirlen. Das Mehl kann nun nach und nach in die Milch-Ei Mischung eingerührt werden. Das Reindl  aus dem Ofen holen und bereitstellen.
Zum Schluss noch die Kirschen zum Teig hinzufügen, einmal kurz umrühren und ins Reindl über die geschmolzene Butter leeren. Für ungefähr 20-25 Minuten im Ofen backen, bis sich ein ordentliches Rammerl gebildet hat. Wenn der Bunkl fertig ist, mit mindestens 2-3 Esslöffel Kristallzucker bestreuen.
Mahlzeit!

 

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Über Mara

Eine Exil-Salzburgerin und Wahl-Wienerin, die ihr Herz an die kulinarische Vielfalt Österreichs verloren hat. Egal ob beim Nachkochen von Oma's Originalrezepten oder bei neu interpretierten Klassikern - am wichtigsten ist der Genuss! Denn Essen soll nicht nur den Bauch füllen, sondern auch das Herz wärmen.

Darf's noch etwas sein?

1 Kommentar

  1. 30. Juli 2015 um 23:39

    Der Bunkl (ich liebe dieses Wort :D) sieht köstlich aus und die Fotos sind super schön.
    Echt cool, dass dich deine Oma ihr Rezept hier teilen lässt 😉
    Liebe Grüße
    Kathi

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